WEITERE SPORTNAHRUNGStartseiteWeitere SportnahrungWas ist wichtiger: Training oder Ernährung?

Was ist wichtiger: Training oder Ernährung?

01.04.2011


Von Philipp Rauscher

Diese Frage, die Sie in der Überschrift lesen können, ist wohl eine der Fragen, die die Fitness- und Bodybuilding-Welt am meisten zu interessieren scheint. Zumindest bekomme ich sie annähernd so oft gestellt wie „Ist es möglich, gleichzeitig Muskeln aufzubauen und Fett abzubauen?“.

Und so oft ich diese Frage auch zu Gesicht bekomme und so oft ich sie beantwortet habe – oder versucht habe dies zu tun –, so oft hört man gleichzeitig unterschiedliche und meist kontroverse Meinungen. Auf der einen Seite befinden sich Sportler und Trainer, die auf ihrer Meinung beharren, Training sei das Wichtigste und die Ernährung sei nur ein „beiläufiges Produkt“ zum Erreichen eines muskulösen und durchtrainierten Körpers, während auf der anderen Seite Ernährungsberater der felsenfesten Überzeugung sind, dass die richtige Ernährung nicht weniger als 70 % des Erfolges im Bodybuilding ausmacht. Nun bin ich selbst Ernährungsberater und helfe Sportlern, Bodybuildern, aber auch Fitness-Studio-Besuchern dabei, das Maximale aus ihrem jeweiligen Potential herauszuholen und müsste mich nun eigentlich auch auf die Seite der „Ernährungs-Partei“ schlagen. Aber das tue ich nicht! Ich bin aber ebenso wenig überzeugt davon, dass Training das wichtigere Teil im Puzzle ist. Denn letztlich ist es nichts anderes als das: ein Puzzle! Und die Frage lässt sich eigentlich einfacher beantworten, als man denkt. Man muss sich dazu nur einmal bewusst machen, was man für erfolgreiches Muskelwachstum überhaupt benötigt bzw. was man dafür tun muss!

Ich denke, wir brauchen nicht darüber zu diskutieren, dass das Training mit Gewichten unumgänglich ist, um kompakte Muskulatur aufzubauen – und dass dieses dann dementsprechend intensiv ausfallen muss, damit man auch wirklich Erfolge nachweisen kann, sollte auch jedem klar sein. Somit dürfte die Zahl 70 % bei der Wichtigkeit der Ernährung bereits verpuffen. Ohne einem trainingswirksamen und einem nach dem Reizschwellengesetz der Trainingslehre überschwelligen Trainingsreiz wird nicht viel passieren. Man kann sich nun noch so toll und ausgewogen ernähren, in Bezug auf die Muskelentwicklung wird man keine Fortschritte machen. Man wird seiner Gesundheit mit Sicherheit etwas Gutes tun, was schon alleine Grund genug dafür ist, eine ausbalancierte Diät zu halten, doch uns Bodybuildern geht es neben der Gesundheit auch noch darum, unsere Muskelumfänge zu vergrößern.

Also halten wir zunächst fest: Es wird ein Trainingsreiz benötigt. Ist dieser nun gesetzt, haben wir von Trainingsseite aus schon alles getan, was in unserer Macht steht. Und nun kommt eben die Ernährung ins Spiel. Welche Grundvoraussetzungen müssen nun hier geschaffen werden für den Muskelaufbau?

Erstens muss genügend Energie zugeführt werden. Die Hauptenergieträger in unserer Ernährung sind Kohlenhydrate und Fette. Bekommen wir davon zu wenig, hat unser Organismus nicht genug „Treibstoff“, um neue Muskelsubstanz aufzubauen. Die Neubildung von Gewebe stellt für unseren Stoffwechsel viel Arbeit dar. Daher kann man nicht erwarten, dass wenn man isst wie David, man im nächsten Moment aussieht wie Goliath! Oder anders: Wer wie Herkules trainiert, der muss auch wie Herkules essen!

Als Nächstes benötigt man genügend Baustoffe. Diese bekommen wir in Form von Proteinen. Wird zu wenig Protein gegessen, so steht dem Körper auch keine Grundsubstanz für Muskelwachstum zur Verfügung.

Als Drittes müssen nun noch weitere essentielle Nährstoffe zur Bedarfsdeckung wie etwa Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, Vitamine und Mineralstoffe in unserer täglichen Nahrung vorkommen. Erst wenn alle drei Dinge beachtet sind, haben wir auch die Grundlage auf Seiten der Ernährung geschaffen, die notwendig ist, um ein Muskelzuwachs zu unterstützen.

Und wenn wir uns das alles bewusst machen, dann hat sich die Frage doch schon selbst beantwortet, oder? Wer wie verrückt trainiert, aber zu wenig Energie und Baustoffe zu sich nimmt, der wird nie den Körper erreichen, den er möchte. Zumindest nicht dann, wenn ein muskulöses Aussehen das Ziel sein soll. Wer hingegen alle Regeln der Ernährung beachtet, jedoch vergisst, ausreichend oft und intensiv zu trainieren, wird genauso wenig Erfolg haben. Denn ohne Trainingsreiz keine Anpassung.

Es ist also weniger eine Frage des „Entweder-oder“, sondern vielmehr ein „Sowohl-als-auch“. Nicht das Eine schließt das Andere aus, sondern beide Faktoren bilden ein dynamisches Gleichgewicht. Für den optimalen Trainingserfolg ist Training abhängig von der passenden Ernährung und umgekehrt! Warum also darüber, streiten was wichtiger ist, wenn man doch einfach das Beste aus beiden Welten nutzen kann?!

Natürlich, es spricht nichts dagegen und es ist auch kein Problem, ab und an mal über die Strenge zu schlagen und sich ein Eis, ein Stück Torte oder eine Pizza zu gönnen. Das wird die Muskelaufbaubemühungen nicht sonderlich beeinträchtigen, wenn sich das Ausmaß im Rahmen hält. Es ist aber auf der anderen Seite auch nicht notwendig, Unmengen an Körperfett anzusetzen, nur weil man mit der Ernährung etwas großzügiger umgeht oder ihr möglicherweise gar keine Beachtung schenkt. Denn mehr Kalorien bedeutet nicht automatisch auch mehr Muskelwachstum! Bis zu einem bestimmten Punkt schon, aber dieser Punkt liegt niedriger, als die meisten Sportler denken! Ein gewisser Kalorienüberschuss ist absolut notwendig, wenn man neue Muskelmasse aufbauen möchte, aber nur weil ein geringer Überschuss zum Erfolg führt, bedeutet das nicht, dass die doppelte Menge an zusätzlich zugeführter Energie automatisch in noch mehr Erfolg resultieren muss.

Und ähnlich verhält es sich doch auch beim Training. Wenn viel Training gut ist, muss noch mehr Training nicht zwangsweise besser sein. Wenn zehn Sätze pro Muskelgruppe einen Wachstumsreiz auslösen, dann müssen 20 Sätze nicht bedeuten, dass man doppelt so viele Muskeln aufbaut.

Warum also nicht beide Faktoren als das sehen, was sie letztlich auch sind? Eine unzertrennliche Einheit! Und nur wer beide Dinge ernst nimmt, wird auch mit maximalen Erfolgen belohnt werden! So war es schon immer im Bodybuilding und so wird es auch immer bleiben!

Und zum Schluss bleibt mir nur noch eins zu sagen: Wollen Sie wirklich nur für einen Tag im Jahr – für einen einzigen Wettkampf – sportlich, dynamisch und gesund aussehen? Wenn Ihre Antwort „Nein“ lautet, dann fangen Sie jetzt an, Ihr nächstes Training und Ihre folgenden Mahlzeiten zu planen, und nehmen Sie beides absolut ernst – sowohl Training als auch Ernährung, denn nichts ist wichtiger als das auf dem Weg zur Bestform.


Philipp Rauscher betreibt zusammen mit seinem Team aus Ernährungs- und Trainingsexperten das Online-Coachingprogramm www.peak-time-coaching.de, welches das Ziel verfolgt, Athleten und Fitnessbegeisterte auf dem Weg zu ihren sportlichen Zielen zu unterstützen.






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