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WETTKAMPF-VORBEREITUNG

01.05.2012


Von Nicolas Rojas

Mehr als nur ein Athlet
Eigentlich hatte ich für diese Ausgabe ein ganz anderes Thema vorgesehen. Geplant war eine Darstellung verschiedener Ernährungsmethoden für die Wettkampf-Vorbereitung mit ihren Vor- und Nachteilen. Ich habe mich kurzfristig für ein anderes Anliegen entschieden. Diese Kolumne wird keine Darstellung von technischen Formalitäten der Diätplanung. Hier geht es um die Psyche und das Herz. Es geht um die Leidenschaft und Hingabe zu unserem Sport, aber auch um die Gefahr, dass aus Hingabe Besessenheit wird. Dieser Beitrag meiner Kolumne im Magazin Natural Bodybuilding & Fitness beschreibt eine ganz persönliche Erfahrung, die ich in Zusammenhang mit meinem letzten Wettkampf im Jahr 2011 und der Zeit danach gemacht habe. Es waren schwierige Monate für mich, und ich hoffe, ich kann hiermit anderen Athleten schlimme Zeiten ersparen oder zumindest etwas einfacher erträglich machen.

2011 war bisher das beste Jahr in meiner Sportlerkarriere. Ich wurde bei der GNBF e. V. Internationaler Deutscher Meister. Bei der SNBF holte ich ebenfalls den Titel in der internationalen Klasse. Auf der WM in New York erreichte ich den 4. Platz. Ich hatte bis dato die beste Form meines Lebens und alle meine gesetzten Ziele erreicht. Und dennoch war ich danach zutiefst unglücklich. Fast zwei Jahre lang hatte ich nur für den Sport gelebt. Ich habe bei jeder Trainingseinheit 110 % gegeben. Ich habe das gegessen, was ich zu essen hatte. Geschlafen, wann und so lange ich schlafen sollte. Ich hatte alle anderen Aspekte meines Lebens danach ausgerichtet, ein besserer Bodybuilder zu werden. Tag und Nacht lebte ich für das Natural Bodybuilding. Und es hatte sich gelohnt. Alles, was ich mir sportlich vorgenommen hatte, konnte ich erfüllen. Aber was kam dann?

Nach der WM in New York ging es rapide bergab mit meiner Stimmung. Eigentlich wollte ich zwei Wochen wohlverdienten Urlaub machen und entspannen. Doch das mit der Entspannung ging nicht wirklich. Ich konnte noch immer nur an den Sport und an den Wettkampf denken. Immer wieder bewertete ich die Ergebnisse neu. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich nicht schlafen. Beim Essen war ich immer noch darauf fixiert, wie funktionell die Nahrung sein sollte. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das Essen wieder genießen konnte.

Als ich wieder in Deutschland angekommen war, hatte ich gehofft, mit der Zeit und der Rückkehr in den Alltag wieder in eine bessere Stimmung zu kommen und ruhiger zu werden. Doch es sollte anders laufen. Mir fehlte ein neues Ziel. Alles, was ich jetzt machte, erschien mir plötzlich als sinnlos. Innerhalb der letzten zwei Jahre baute sich meine ganze Identität auf die intensiven Wettkampf-Vorbereitungen, meinen Körper und meine Leistung als Athlet auf. Ohne Topform und ohne Wettkämpfe kam ich mir sehr nutzlos vor. Weder die Arbeit noch mein Privatleben konnten mich motivieren.

Zusätzlich kam ich mir fremd in meinem eigenen Körper vor. Bereits nach nur 4 bis 5 Kilogramm Gewichtszunahme erkannte ich mich im Spiegel nicht wieder. Ich fühlte mich dazu verpflichtet, meine Form zu halten. Das Training war nicht mehr etwas, was mir Spaß machte, sondern etwas, was ich tun musste. Eine weitere lästige Verpflichtung in einem ohnehin schon stressigen Leben. Ich brauchte fast drei Monate Training dafür, um mich wieder in Form zu bekommen und meine Leistung wieder auf den Stand von vor einem Jahr zu bringen. Ich hatte Glück. Manche Athleten brauchen viel länger und verlieren so wertvolle Trainingszeit.

Was für viele nach einer übertriebenen, höchstdramatischen Darstellung klingen mag, ist scheinbar verbreiteter, als ich zunächst annahm. Nachdem ich ähnliche Geschichten von anderen Athleten hörte, entschied ich mich dafür, etwas über dieses Thema zu schreiben.

Heute habe ich diese Krise zum Glück gut überstanden, aber es war nicht einfach. Ich musste mich erst wieder neu entdecken, nicht mehr nur als Athlet, sondern auch als Trainer, als Freund und als Ehemann. Ich habe die Freude am Sport wiedergefunden, weil ich andere Dinge in meinem Leben wieder zuließ. Deswegen mein Rat an alle, die sich für Natural Bodybuilding als Leistungssport interessieren und mit dem Gedanken spielen, selbst einmal auf die Bühne zu gehen:
  • Betreiben Sie den Sport mit Leidenschaft und Hingabe. Setzen Sie sich realistische Ziele und tun Sie alles, was Sie können, um diese auch zu erreichen. Vergessen Sie dabei aber nicht die anderen Seiten des Lebens. Es gibt mehr im Leben als nur den Sport. Wir sind alle mehr als nur Athleten. Nehmen Sie sich Zeit für Freunde und Familie. Besonders, nachdem die Wettkampfzeit vorbei ist, sollten Sie sich erst einmal zurückziehen, ausruhen und sich auch Zeit für andere Projekte nehmen. Nach der langen Wettkampf-Vorbereitung haben Sie sich das redlich verdient.

  • Gehen Sie mit Spaß an die Sache heran. Keiner zwingt Sie dazu, Sport zu treiben. Ab dem Tag, an dem Sie aufhören, aus Lust und Freude an der Sache ins Training zu gehen, lohnt sich das Ganze nicht mehr, und Fortschritte werden früher oder später ausbleiben. Nur wenn Sie es wirklich aus tiefstem Herzen wollen, an einem Natural-Bodybuilding-Wettkampf teilzunehmen, lohnt es sich, viel Zeit und Geld in eine Wettkampf-Vorbereitung zu investieren. Ohne die Leidenschaft und Hingabe, die tief aus Ihrem Inneren entspringt, werden Sie langfristig keinen Erfolg haben.

  • Damit Sie Ihre Freude am Natural Bodybuilding dauerhaft bewahren, sollten Sie sich nicht immer nur auf Ihre Defizite konzentrieren. Auch wenn der Verbesserungsbedarf mancher Körperpartien durchaus motivierend dafür sein kann, dass Sie sich im Training noch mehr anstrengen, um Ihre Schwächen auszumerzen, ist es ebenfalls wichtig, dass Sie sich hin und wieder auch über das bereits Erreichte freuen und sich für Ihre großen und kleineren Erfolge belohnen. Sagen Sie gelegentlich zu sich selbst: „Das habe ich gut gemacht!“. Ständige Selbstkritik wird Sie auf Dauer unglücklich machen und Ihre Motivation und damit auch Ihre Erfolge verringern.

  • Machen Sie Ihren Erfolg nicht nur an den erreichten Wettkampf-Platzierungen fest. Gewinnen heißt, sich selbst zu übertreffen. Solange Sie eine neue persönliche Bestform erreichen, haben Sie bereits gewonnen. Seien Sie stolz auf Ihre Leistung, unabhängig von der Platzierung. Es geht ja schließlich nur um einen Pokal. Um das richtig große Geld zu machen, ist Natural Bodybuilding nicht unbedingt die beste Sportart. Am Ende ist das Einzige, was wirklich zählt, der Stolz darauf, die eigene Bestform erreicht zu haben!

Ich wünsche Ihnen gutes Training und eine erfolgreiche Wettkampf-Vorbereitung!

Notiz des Herausgebers: Nicolas Rojas ist Sieger der GNBF e. V. internationalen Klasse 2011 und offizieller Wettkampf-Vorbereiter der GNBF e. V. Für weitere Informationen über Nicolas und seine Arbeit besuchen Sie die Webseite www.jukadio.de





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